Eiweiß made in Germany!

Dr. Robert Schätzl, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), München

Deutschland benötigt für seine Nutztierfütterung große Mengen an Eiweißfutter aus dem Ausland. Im vergangenen Jahr wurden 3,7 Mio. t Sojabohnen und 1,1 Mio. t Sojaschrot mehr eingeführt als ausgeführt. Rund 1,8 Mio. t Rohprotein kamen auf diese Weise ins Land.

Dabei könnte sich Deutschland in wesentlich höherem Maße selbst mit Futtereiweiß versorgen. Zum einen käme man mit weniger Kraftfuttereiweiß aus, wenn sich die Fütterung noch stärker am Bedarf der Tiere orientieren und die Eiweißpotentiale des Grünlands besser genutzt würden. Zum anderen könnte der inländische Anbau von Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen und Soja deutlich ausgebaut werden. Im Jahr 2015 lieferten diese Früchte rund 130.000 t Rohprotein. Aus Rapsanabau kamen im gleichen Jahr etwa 1,0 Mio. t Rohprotein.

Die Erzeugung von Körnerleguminosen erlebte in der jüngsten Zeit wieder einen Aufschwung. Ihre Anbaufläche nahm von 2014 auf 2015 um rund 70 % zu. Neben der Möglichkeit zur Nutzung ökologischer Vorrangflächen begünstigte eine Förderung im Rahmen von Agrarumweltprogrammen deren Erzeugung. Die Eiweißpflanzenstrategie des Bundes mit den Soja- und Lupinen-Netzwerken sowie Eiweißinitiativen mehrerer Bundesländer unterstützten Landwirte beim Anbau und bei der Verwertung von Hülsenfrüchten.

Um die für die Eiweißversorgung so wichtigen Früchte, die 2015 etwa 1,5 % der deutschen Ackerfläche  ausgemacht haben, weiter voranzubringen, bedarf es zusätzlicher Anstrengungen. Die Erträge fallen im Mittel der Jahre nach wie vor zu niedrig aus, um die Körnerleguminosen gegenüber konkurrierenden Früchten ausreichend wettbewerbsfähig zu machen. Negativ bemerkbar machen sich in diesem Zusammenhang vor allem auch die großen Ertragsschwankungen von Jahr zu Jahr.

Neben Verbesserungen in der Produktionstechnik und Saatgutqualität sind hier vor allem Zuchtfortschritte gefragt. Aufgrund des vergleichsweise geringen Absatzpotentials für Saatgut lohnt sich jedoch das Engagement europäischer Pflanzenzuchtfirmen im Bereich der Körnerleguminosen meist nur wenig. An dieser Stelle ist daher der Staat gefragt. Erste Ansätze gibt es dafür im Bereich der Sojazüchtung, wie an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und an der Landessaatzuchtanstalt Hohenheim.

Wichtige Argumente für ein staatliches Engagement in der Züchtung von Körnerleguminosen sind neben dem Ziel einer verstärkt heimischen Eiweißversorgung ohne Gentechnik vor allem auch die positiven Umweltwirkungen der Hülsenfrüchte. Hülsenfrüchte eignen sich bestens zur Auflockerung enger Fruchtfolgen,  um somit Schadorganismen und Unkrautbesatz zu reduzieren und letztlich zu einer Verringerung des erforderlichen Pflanzenschutzmitteleinsatzes beizutragen. Die Bereitstellung von Stickstoff erledigen sie durch eine Symbiose mit stickstofffixierenden Bakterien energiesparend und damit auch klimaschonend, bei gleichzeitig positiver Humusbilanz. Körnerleguminosen können die Vielfalt in der Landschaft erhöhen und so nicht nur dem Auge des Betrachters sondern auch der Tierwelt Gutes tun. Die Blüten der Hülsenfrüchte sind darüber hinaus Nahrungsgrundlage für nektarsammelnde und bestäubende Insekten.

Das wichtigste Ziel in der Züchtung von Körnerleguminosen ist eine Steigerung der Erträge. Durch genetische Resistenzen ließe sich die Anfälligkeit gegenüber Pilzkrankheiten und Schädlingsbefall verringern. Für die Winterformen von Ackerbohne und Körnererbse ist eine Verbesserung von Winterhärte und Standfestigkeit anzustreben. Sojabohnen könnten durch Zuchtfortschritte toleranter gegenüber niedrigen Temperaturen und Trockenheit werden sowie eine frühere Erntereife erlangen. Hierdurch wären sie auch für weniger begünstigte Standorte geeignet. Die Züchtung der Weißen Lupinen zielt derzeit vor allem darauf ab, diese durch Resistenz gegenüber der Pilzkrankheit Antraknose bei gleichzeitig niedrigem Bitterstoffgehalt anbauwürdig zu machen.  

Wie sich Sojabohnen am besten erzeugen lassen, können Landwirte bei Veranstaltungen im Rahmen des vom Bund geförderten Soja-Netzwerks ( www.sojafoerderring.de) erfahren. Dieses bietet nicht nur umfangreiche Informationen rund um den Sojaanbau an, sondern organisiert auch Feldtage bei Landwirten, die in Demonstrationsanlagen die Sojaerzeugung in verschiedenen Anbauvarianten zeigen. Auch bei den DLG-Feldtagen ist das Soja-Netzwerk vertreten.

Die Wettbewerbsfähigkeit von Ackerfrüchten wird meist anhand der erzielbaren Deckungsbeiträge beurteilt. Während sich in den vergangenen Jahren die Deckungsbeiträge der Sojabohnen im Vertragsanbau gegenüber anderen Mähdruschfrüchten vergleichsweise gut darstellten, schnitten die Ergebnisse von Ackerbohnen, Futtererbsen und Lupinen relativ schlecht ab. Allerdings kann sich deren Anbau im einzelnen Betrieb dennoch lohnen. Dort, wo sie ihren Vorfruchtwert ausspielen können, kann sich das Ergebnis der Nachfrucht durchaus in einer Größenordnung von 150 €/ha verbessern. Neben Mehrerträgen schlagen bei Getreide gegenüber einer Getreidevorfrucht Einsparungen bei Stickstoffdünger, Pflanzenschutzmitteln und Bodenbearbeitung zu Buche.

Können Bohnen, Erbsen und Lupinen in der Fütterung des eigenen Viehbestandes Sojaschrot ersetzten, so sind sie in der Regel wesentlich wertvoller als beim Verkauf an den Landhandel. Nicht selten liegt der Substitutionswert um 7 bis 10 €/dt über dem Marktpreis. Unter solch günstigen Voraussetzungen sind die Hülsenfrüchte häufig schon jetzt konkurrenzfähig gegenüber den schwächeren Getreidearten.

Bayern möchte mit der im Jahr 2011 gestarteten Bayerischen Eiweißinitiative ( www.LfL.bayern.de/eiweiss) unabhängiger von importierten Eiweißträgern werden. Aus diesem Grund wurde nicht nur die Forschung intensiviert, sondern auch die Informationsweitergabe an die Landwirte. Da große Potentiale einer heimischen Eiweißversorgung in einer verbesserten Grünlandnutzung und einer höheren Ausnutzung des Eiweißes im Grundfutter durch Milchkühe und Mastrinder liegen, werden diese Bereiche intensiv bearbeitet. Durch die Initiative erhalten Landwirte auch Unterstützung, wenn sie den Sojaschrot in ihrer Ration beispielsweise durch Rapsschrot ersetzen wollen, ihre Schweine effizienter füttern möchten oder eine verstärkte Erzeugung von Eiweißpflanzen  anstreben.

Trotz aller Anstrengungen wird sich Deutschland nicht schon in Kürze vollständig mit Futtereiweiß selbst versorgen können. Dort wo man nicht auf Eiweißträger aus Übersee zurückgreifen möchte, kann Soja aus europäischer Erzeugung ohne Gentechnik eine interessante Alternative sein. Der Verein Donau-Soja ( http://www.donausoja.org) arbeitet intensiv daran, diese europäischen Sojaquellen zu erschließen. Eiweiß made in Germany und Eiweiß made in Europe können sich hier gut ergänzen.

Bei den DLG-Feldtagen zeigt die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft verschiedene Sojasorten sowie Varianten in der Impfung des Saatguts, im Pflanzenschutz und in der Saatstärke. Auch Ackerbohnen, Erbsen und antraknosetolerante Lupinen sind zu sehen. Das Soja-Netzwerk und die Bayerische Eiweißinitiative informieren über ihre Aktivitäten.
 
 

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