Winterweizen-Anbauvergleich: Die Ergebnisse Verfahren für die Zukunft – wer erntet unter Trockenstress am meisten?

Der Klassiker der DLG-Feldtage, der europäische Winterweizen-Anbauvergleich, war wieder Treffpunkt zahlreicher Besucher. In diesem Jahr nahmen neun Berufskollegen teil, vier aus Deutschland und 5 weitere aus nord- und osteuropäischen Ländern (Tabelle 1). Dies geschah erstmals unter den Bedingungen der Novelle der DVO, welche eine N-Düngebedarfsanalyse vorschreibt.

Die selbst gestellten Ziele waren teilweise sehr ambitioniert, sowohl in der Kategorie „Wettbewerb“, in der der Teilnehmer in der Rolle des ortsansässigen Landwirtes besonders profitabel wirtschaften soll, wie auch in der Kategorie „Innovation“, die der Vorstellung neuer Ideen in der Bestandsführung dient.

Als zusätzliche Variante wurde das im „DLG-Systemvergleich Bodenbearbeitung“ bewährte Strip Till-Verfahren vorgestellt.

Witterung und Wachstum während der Vegetationsperiode

Die Temperaturen im August und September und auch die Niederschlagssumme entsprachen dem langjährigen Mittel. Im Oktober fiel zwar mehr Regen, allerdings erlaubte eine trockene und warme zweite Dekade Bodenvorbereitung und Aussaat unter optimalen Bedingungen.

Der Aussaat am 13. Oktober folgte ein einheitlicher Aufgang zum 21. Oktober mit hohen Feldaufgangsraten zwischen 85 und 100 % (Ausnahmen Durum (77%) und Strip Till (70%)). 

Mit dem Oktober begann eine überdurchschnittlich warme Periode, die eine durchgehende Vegetation bis in den Januar (+2,8°C) bewirkte. Erst im Februar herrschten winterliche Temperaturen mit dem Minimum am Monatswechsel zum März. Die langsame, stetige Abkühlung gewährleistete eine gute Abhärtung der Pflanzen, die den Kahlfrost gut überstanden. Der März war gegenüber dem langjährigen Mittel 2,7°C zu kalt. Damit verschob sich der Vegetationsbeginn in die erste Aprildekade. Die Pflanzen gingen aus der Winterruhe direkt in die Schossphase. Die weitere phänologische Entwicklung war stark beschleunigt.

Der Übergang zu sommerlichen Temperaturen erfolgte abrupt. Alle Monate bis zur Ernte waren überdurchschnittlich warm mit zahlreichen Temperaturspitzen über 30 Grad. 

Bis einschließlich April sorgten - trotz monatlicher Unterschiede – Niederschläge im Normbereich für gute Wasserversorgung. Das Niederschlagsdefizit ab Mai erschöpfte in Kombination mit dem starken Wachstum schnell den Bodenwasservorrat, sodass ab Ende Mai extremer Wassermangel zu verzeichnen war. Das zeigt sich besonders in der Ährendichte, welche fast durchweg nicht das standorttypische Optimum, das in der Magdeburger Börde bei 500 Ähren je Quadratmeter liegt, erreichte (Tabelle 3).

Bereits Mitte Juni begann die Reife, sodass die Niederschläge der zweiten Julidekade nicht mehr ertragswirksam wurden.

Der Versuch wurde am 27. Juli geerntet. Mit einer Grenzdifferenz im T-Test von 0,32 t/ha ist die Präzision des Versuches als gut einzustufen. 

Wettbewerbsvarianten – der Teilnehmer in der Rolle des ortsansässigen Landwirts

Kornerträge und Qualitäten

In Tabelle 3 sind die ursprünglichen Ertragsziele der Teilnehmer den tatsächlich erreichten Kornerträgen gegenübergestellt (Tabelle 2). Das Ertragsniveau hat durch die Trockenheit gelitten und entspricht den Verhältnissen in den Praxisbetrieben der Magdeburger Börde, in denen ca. 30 % weniger als im langjährigen Mittel geerntet wurde.

Nur vier Verfahren (IB, HA, UA und RU) erreichten mehr als 70 % ihres ursprünglich geplanten Kornertrages. Besonders unserer nördliche Nachbarn und Tschechien konnten ihre anspruchsvollen Ziele nicht umsetzen. Aber auch ein „Einheimischer“ und die sonst hitzeerprobten Schweizer hatten mit den extremen Bedingungen ihre Probleme. 

Die 9 Verfahren SIND INSGESAMT % Ertragsgruppen zuzuordnen (Tabelle 4). Das Verfahren IBK hat den höchsten Ertrag. In der zweiten Gruppe sind die Verfahren HA und UA mit 6,62 bzw. 6.61 t/ha einzuordnen. In der dritten Gruppe kann nur LLG eindeutig abgegrenzt werden während CZ mit 6,19 bzw. 6,16 t/ha, CH und DK sich nicht eindeutig zuordnen lassen. S und RU bilden die fünfte Gruppe.

Im Verfahren IBK ist neben dem Spitzenertrag von 7,24 t/ha auch die mit 80 % beste Erfüllung des Ertragszieles gelungen. Aus 241 aufgelaufenen Pflanzen entwickelten sich 421 produktive Ähren je m². In denen bildeten durchschnittlich 43 Körner mit einer TKG von 39,8 den höchsten Einzelährenertrag von 1,72 Gramm je Ähre aus.

Am anderen Ende der Skala sieht es nicht so eindeutig aus. Hier sind vier Verfahren (CH, RU, DK und S) mit praktisch gleichen Erträgen, die auf unterschiedlichen Bestandsparametern basieren (siehe Tabelle/Abbildung 4). 

Die Unterschiede setzen sich in der Kornqualität fort (Tabelle 3). Die trockene und sehr warme Witterung in der Kornfüllungs- und Reifephase erschwerte offensichtlich die Stickstoffaufnahme aus dem Boden, was z. B. im Verfahren IBK dazu führte, dass der Eiweißgehalt des E-Weizens nicht den Mindestanforderungen entsprach. Die ebenfalls durch Wassermangel begrenzte Stärkesynthese zog in anderen Verfahren einen ungewohnt hohen Eiweißgehalt nach sich (DK).

Alle Teilnehmer hielten sich an die durch die Düngebedarfsermittlung vorgegebene maximale Stickstoffgabe. Aber alle Verfahren, die stark vom Zielertrag abwichen, überschritten den Bilanzüberschuss von 50 kg N/ha teilweise deutlich (in den Initiativverfahren lagen alle Verfahren unter der 50-kg-Grenze). 

Direktkostenfreie Leistung

Höhere Qualitäten wurden wegen der guten Erntebedingungen in diesem Jahr vom Handel nicht besonders honoriert (Tabelle 3). Die Differenz beträgt lediglich 5 €/t. Damit sind der Kornertrag und die direkten Kosten die entscheidenden Faktoren für den wirtschaftlichen Erfolg der Verfahren. In Tabelle 5 sind die Erlöse und direkt zuordenbaren Kosten der Verfahren dargestellt.

Die Erlöse schwanken deutlich um 290 € zwischen 1157 und 1447 €/ha. Dem gegenüber unterscheiden sich die Kosten lediglich um 155 € (567 - 722 €/ha). In der Kombination ergeben sich daraus Differenzen in der direktkostenfreien Leistung von bis zu 397 €/ha (Tabelle 5). 

Damit ist das Verfahren des Instituts für Bodenkultur der finanzielle Gewinner des Wettbewerbes, dicht gefolgt von der Hochschule Anhalt. Auf den weiteren Rängen folgen Ukraine und Tschechien. Die Verfahren aus Russland, der Landesanstalt und der Schweiz zeigen geringe Unterschiede während die Verfahren der Kollegen aus Schweden und Dänemark bei niedrigen Erträgen unter besonders hohen Direktkosten leiden.

Initiativvarianten - ein Experiment mit unorthodoxen Maßnahmen

Die Unterschiede zu den Wettbewerbsvarianten der einzelnen Teilnehmer sind teilweise beachtlich und bieten einige Überraschungen. So wählte das IBK einen Winterdurum als Alternative zum Weichweizenanbau in der Magdeburger Börde. Die LLG zeigte mit einer Variante aus ihrem StaPlaRes Projekt das Side-Dressing, wobei stabilisierter Harnstoff in den bestehenden Weizenbestand geschlitzt wird, während die HA in ihrem Düngeansatz die Einmalgabe stabilisierten Harnstoffs zeigte. CZ, CH und S erprobten differenzierte Fungizidstrategien, während DK ohne Wachstumsregler arbeitete und RU neben einer anderen Sorte auch noch die Saatstärke anhob. UA zeigte die eigene Sorte mit auf örtliche Verhältnisse abgesenkter Saatdichte. Insgesamt wählten 7 der 9 Teilnehmer eine andere Sorte als in der Wettbewerbsvariante. 

Im Kornertrag führt das Verfahren CZ, die folgenden Verfahren bringen keine signifikanten Unterschiede (Tabelle Abbildung 4). Das Verfahren DK musste der Trockenheit mit 55 % zum Zielertrag seinen Tribut zollen und der Durum im Verfahren IBK erbrachte artgemäß einen niedrigeren Ertrag. 

Vier Verfahren (RU, CH, CZ und UA) zeigen in der direktkostenfreien Leistung an der Spitze nur geringe Unterschiede. Sie ordnen sich in ihrer Leistungsfähigkeit gleich hinter die Spitzenvarianten im Wettbewerb ein. Aber auch in dieser Sparte war die skandinavische Anbautechnik den Belastungen der Trockenheit nicht gewachsen. Die Möglichkeit, in der Magdeburger Börde mit Durum hohe Erlöse zu erzielen, konnte in diesem Jahr nicht verwirklicht werden. 

In das Programm wurde eine Variante der Streifensaat (Strip Till) aus dem DLG-Versuchsfeld „Holstein“ des IPZ Bernburg einbezogen. In dem Verfahren wurden zwei Drillreihen im bearbeiteten Streifen gesät und der dazwischen liegende, unbearbeitete, Bereich blieb frei. Damit verringerte sich die Saatmenge auf die Hälfte. Die Aufgangsrate blieb mit 70 % deutlich unter dem Durchschnitt. Das kann auf den unmittelbar vorher gelockerten und nicht rückverfestigten Streifen zurückgeführt werden. Damit verblieben 105 Pflanzen je m², die aber mit einer enormen produktiven Bestockung von 3,3 Ähren je Pflanze 347 Ähren je m² bildeten. Auch TKG (40 g) und Kornzahl/Ähre (46) erreichen Spitzenwerte bei einem hohen Eiweißgehalt (15,1 %). Hier hat offensichtlich das Wasser zur Kornfüllung gereicht. Das Verfahren, welches wirtschaftlich im vorderen Mittelfeld einzuordnen wäre, qualifiziert sich somit für Betriebe, die im Strip Till-Verfahren bereits mit anderen Kulturen arbeiten und so den Betrieb vollständig auf dieses erosionsmindernde Verfahren umstellen könnten. 

In der Geschichte des Winterweizen-Anbauvergleiches seit 1988 hat sich die Aufgabenstellung an die Teilnehmer mit der Trennung in Wettbewerbs- und Initiativvarianten etabliert, um die Zielstrebigkeit und Konzentration der Teilnehmer in der Wettbewerbsvariante zu bündeln. Nicht selten war es, dass die „zweite“ Parzelle den höheren Ertrag hatte und dann vom Teilnehmer als Wettbewerbsbeitrag gewünscht wurde. Auch in diesem Jahr sind die Kornerträge bei sechs der neun Teilnehmer in der Initiativvariante höher. Noch deutlicher zeigen sich die Unterschiede in den Deckungsbeiträgen.

 Wenn der Versuch jedoch aus einer üblichen betrieblichen Situation heraus betrachtet wird, in welcher der Betriebsleiter aus Gründen der Risikominderung nicht alles auf eine Karte setzt, sondern hälftig jeweils eines seiner Verfahren im Betrieb anwendet, ergibt sich das in Tabelle 5 dargestellte Bild. Die Unterschiede in der direktkostenfreien Leistung zwischen den Teilnehmern werden geringer und die Reihenfolge ändert sich. UA, CZ, HA und RU unterscheiden sich maximal um 40 €/ha. Danach liegen IBK und CH fast gleichauf. Danach erst kommen mit einigem Abstand die LLG und die beiden skandinavischen Teilnehmer, die eine feuchtere Umgebung gewöhnt sind, und deren Verfahrensgestaltung nicht den extremen Trockenbedingungen entsprach. 

Fazit:

Unter den Extrembedingungen des Erntejahres 2018 hat sich deutlich gezeigt, dass gute Kenntnis des Standortes und schnelle Reaktion auf die Witterung der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg darstellt. Mehr als in den Vorjahren waren diesmal die osteuropäischen Teilnehmer mit „vorne dran“. Nicht unbedingt beim Ertrag, aber dann bei der direktkostenfreien Leistung. Das zeigt, dass wir zur Vorbereitung auf das sich ändernde Klima von diesen Fachkollegen einiges lernen können.

Wir möchten uns herzlich bei allen Teilnehmern bedanken, denn nur durch ihren Mut, sich auf der Bühne der DLG-Feldtage zu präsentieren, kam diese interessante Sammlung verschiedener Weizen-Anbauverfahren auf unserem Feld zustande.

Weiterer Dank gebührt den wissenschaftlichen Unterstützern, Professor Honermeier und Dr. Büchse, die für die fachliche Solidität des Versuches bürgen und der Firma FarmFacts, deren Unterstützung die Dokumentation und Publikation der Fakten zu den DLG-Feldtagen ermöglichte. 

 

Dr. Reinhard Roßberg
Siv Ahlers
DLG e.V., Frankfurt am Main

Tabelle 1: Teilnehmer des Winterweizen-Anbauvergleiches

Tabelle 2: Ziel- und erreichte Erträge der Teilnehmer

Kornertrag

Tabelle 3: Bestandes- und Qualitätsparameter sowie Erlöse der Erntegüter

Tabelle 4: Direktkostenfreie Leistung der Verfahren (ohne Flächenprämie)