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Pflanzenbau 2030: Über Fruchtfolgegestaltung Probleme lösen

Die aktuelle Situation der Fruchtartenverteilung auf deutschen Ackerflächen zeigt eine Konzentration auf wenige Kulturen. Daraus resultieren Konsequenzen, mit denen sich Ackerbau und Pflanzenschutz immer mehr auseinandersetzen müssen und die ein Umdenken erfordern. Eine Veranstaltung der DLG-Ausschüsse für Pflanzenschutz und für Ackerbau hat auf der DLG-Wintertagung über neue Aspekte bei der Fruchtfolgeplanung informiert.

(DLG). „Klassische ackerbauliche Prinzipien in der Fruchtfolgegestaltung, der Bodenbearbeitung sowie der Aussaattechnik und Aussaatzeiten müssen wieder stärker in die gute fachliche Praxis Eingang finden. Das marktfähige Kulturartenspektrum sollte erweitert werden, sodass klassische Fruchtfolgesysteme einem ganzheitlichen ackerbaulichen Aspekt genügen.“ Mit diesem Auszug aus These 5 des DLG-Thesenpapiers „Landwirtschaft 2030“ stimmt Prof. Dr. Bernhard C. Schäfer von der Fachhochschule Südwestfalen in Soest die zahlreichen Teilnehmer des Impulsforums auf die folgenden Vorträge ein. Der DLG-Nachhaltigkeitsindex berücksichtigt die Fruchtfolge über Nutzungs- und Artendiversitätsindices, aber auch über viele indirekte Wirkungen. Das ist ein guter Aufhänger, wie Fruchtfolgen nachhaltig gestaltet werden können, so Prof. Schäfer.
 
Dr. Stephan Deike von der Fachberatung Acker- und Pflanzenbau der Landberatung GmbH führt aus, dass es in Deutschland im Mittel noch kein Problem mit Herbizidresistenzen in Winterweizen gibt, in Regionen mit massiver Aggregation dagegen schon. Seitdem die Anbaufläche von Winterweizen die 3-Millionen-Hektar-Grenze überstiegen hat, sind deutschlandweit sehr viel stärker Ertragsschwankungen zu verzeichnen. Gründe dafür sind nicht optimale Saatzeitpunkte, ungünstige Fruchtfolgen und schlechte Vorfrüchte. Winterweizen wird häufig auf Grenzstandorten angebaut. Wird dort von dem Schema optimaler Saattermin und gute Vorfrucht abgewichen, sind Ertragsschwankungen vorprogrammiert. Je schwächer der Standort ist, desto wesentlicher sind Faktoren wie die Vorfrucht und der Aussaattermin.
 
Bei der Suche nach Alternativen können für Landwirte der Flächentausch mit Kartoffel- oder Gemüseanbauern, Vermehrungen z. B. von Leguminosen, Gräsern etc. sowie der Vertragsanbau oder Sonder- und Nischenkulturen interessant sein. Alternative Kulturen können aber mit Herausforderungen verbunden sein, wie großen Ertrags- und Preisschwankungen sowie einem hohen Aufwand für Mechanisierung, Arbeitserledigung und Know-how. Es sind zwei Entwicklungen auszumachen: Während große, gut aufgestellte Betriebe häufig Nischen nutzen, wollen sich andere nicht verzetteln und fokussieren sich auf wenige Kulturen wie Weizen, Raps und Mais.
 
In Mittel- und Ostdeutschland ist die Resistenzsituation bei Herbiziden und Fungiziden derzeit weitgehend beherrschbar, wenngleich die Entwicklung von Insektizidresistenzen insbesondere von Rapsschädlingen bedrohlich ist. Fruchtfolgepathogene sind bisher noch begrenzt, besitzen aber teils ein erhebliches Schadpotenzial und die Verunkrautung schaukeln sich enorm hoch. Dr. Deike plädiert dafür, die Intensität der Maßnahmen an die Resistenzsituation und an die Belastung der Fruchtfolge anzupassen. In vielen Fällen können bereits über ein angepasstes Herbizidregime Probleme zurückgedrängt werden. Latente Probleme lassen sich oft durch direkte Gegenmaßnahmen und durch eine intensive Bestandesführung sowie durch Teilflächenbehandlungen mit Herbiziden und Fungiziden begrenzen.
 
Sein Fazit lautet, dass die etablierten Anbausysteme anfällig gegenüber äußeren Einflüssen sind, insbesondere gegenüber Witterungsschwankungen. Die zunehmende Resistenzentwicklung und Beschränkungen im Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln können hierbei negative Effekte bewirken. Die Suche nach Anbaualternativen gestaltet sich zumeist schwierig, da nicht nur die Anbauverfahren umgestellt werden müssen, sondern neue Probleme mit Blick auf die Arbeitserledigung und Wirtschaftlichkeit auftreten können. Die Notwendigkeit von Anpassungen der vorhandenen Anbausysteme ist vielfach geboten. Dabei sind die Maßnahmen unbedingt auf die Intensität der Problematik abzustimmen. Ein frühzeitiges Gegensteuern ist ratsam, da massive Probleme meist nur durch intensive Gegenmaßnahmen und in einem längeren Zeitraum zurückzudrängen sind.
 
Prof. Dr. Enno Bahrs vom Institut für Landwirtschaftliche Betriebslehre an der Universität Hohenheim stellt fünf Thesen zur zukünftigen Entwicklung von Fruchtfolgen in Deutschland auf. Die erste These besagt, dass Fruchtfolgen im Durchschnitt wieder weiter werden. Zu den Gründen zählen die phytosanitären Rahmenbedingungen, z. B. durch zunehmende Resistenzen, und weniger verfügbare Wirkstoffe infolge restriktiverer Wirkstoffzulassungen. Zusätzlich können die neue Düngeverordnung, sonstige gesellschaftliche Rahmenbedingungen im Zusammenspiel mit Förderprogrammen sowie arbeitswirtschaftliche Erleichterungen weitere Fruchtfolgen begünstigen.
 
Fruchtfolgen werden individueller bzw. standortangepasster, lautet die zweite These. Hierbei müssen verschiedene Punkte bedacht werden. Dazu gehört eine ehrliche betriebsindividuelle Identifizierung der knappen Faktoren Boden, Arbeit und Kapital und deren Bewertung. Darüber hinaus geht es um angemessene Prognosen zukünftiger Erträge in Abhängigkeit von der Fruchtfolge. Des Weiteren müssen zukünftige Nachteile durch enge Fruchtfolgen, z. B. Strukturschäden, Mehrkosten durch ein Mehr an Pflanzenschutz und zukünftige Mindererträge, angemessen diskontiert werden.
 
Nach der dritten These werden Fruchtfolgen zukünftig noch stärker technologisch bestimmt und noch wissensbasierter. Ein noch breiteres Spektrum an technologischen Werkzeugen schafft je nach Standorteigenschaften unterschiedliche Möglichkeiten. Auch die Züchtung kann in Zukunft ein erheblich breiteres Spektrum bieten.
 
Die vierte These besagt, dass Fruchtfolgen noch „ästhetischer“ werden. Dieser Punkt spielt in Wohlstandsgesellschaften eine nicht unwesentliche Rolle. Als Beispiel wird das Contour-Farming aufgeführt. Eine solche Lösung wird in hügeligen und gebirgigen Landschaften künftig eine größere Rolle spielen und es wird auch die Zahlungsbereitschaft dafür geben.
 
Großräumig wirkende Empfehlungen für Fruchtfolgen werden herausfordernder, ist die Aussage der fünften These. Da man standortangepasster agieren muss und weniger Möglichkeiten des chemischen Pflanzenschutzes zur Verfügung stehen, muss man sich mehr auf den Standort und die Betriebsstruktur einlassen.
 
Was hier an Thesen aufgeworfen wurde, wird keine Revolution, sondern eine Evolution sein. Die Entwicklung führt möglicherweise dazu, dass die Erträge in Form von Grundrenten, direkt- oder arbeitserledigungskostenfreien Leistungen und auch die Deckungsbeiträge nicht mehr das durchschnittliche Niveau der letzten zehn Jahre erreichen werden. Prof. Bahrs empfiehlt deshalb, die Bereitschaft für Pachtkosten an das anzupassen, was der einzelne Betrieb in Zukunft erwartet. Anders wird man betriebswirtschaftlich nicht optimal fahren.
 
Doreen Riske von der Agrar GbR Groß Kiesow in Mecklenburg-Vorpommern erläutert die Fruchtfolgethematik aus der Sicht einer landwirtschaftlichen Praktikerin. Die Landwirtin bewirtschaftet zusammen mit den Mitgesellschaftern einen 2.048 Hektar großen Ackerbaubetrieb in der Nähe von Greifswald. Anhand von Beispielen beschreibt sie, weshalb der Betrieb seine Fruchtfolge überdenken musste und welche Lösungen sich ergaben. Starke Fruchtfolgeprobleme gibt es in Raps durch die Kohlhernie und tierische Erreger und in Winterweizen durch den Ackerfuchsschwanz. Statische Erhebungen in Raps zeigen etwa, dass Schläge mit hohem Aufkommen von tierischen Schaderregern dreimal so viel Überfahrten und Insektizidkosten zur Folge haben als solche mit niedrigem Aufkommen.
 
Ergebnisse wie diese waren für den Betrieb der Auslöser dafür, die Fruchtfolge aufzulockern. Die Agrar GbR Groß Kiesow hat in den letzten zwölf Jahren die Anbaufläche von Raps und von Winterweizen um sieben bzw. zehn Prozent reduziert und mit Erbsen, Mais, Sommerweizen und Hafer zusätzliche Kulturen aufgenommen. Eine Gegenüberstellung von Produktionskosten und Erlös der einzelnen Früchte zeigt, dass man mit einer weiteren Fruchtfolge auch in schwierigen Jahren gut wirtschaften kann.
 
Doreen Riske bejaht, dass sich über die Fruchtfolgegestaltung Probleme lösen lassen. Die phytosanitäre Belastung ist mit einer weiten Fruchtfolge in Raps beispielsweise deutlich geringer. Auch ist der Betrieb bestrebt, Kartoffeln, Zuckerrüben und Erbsen weit zu verteilen. Ein geringerer Pflanzenschutzmitteleinsatz ist die Folge. Des Weiteren werden Resistenzgefahren verringert, wenn andere Kulturen mit einbezogen werden. Durch den Anbau von Winter- und Sommerkulturen im Wechsel lässt sich auch ein Wirkstoffwechsel gut realisieren. Dies ist ein wichtiger Aspekt vor dem Hintergrund, dass künftig Wirkstoffe wegfallen können.
 
Entzerrte Arbeitsspitzen infolge einer weiteren Fruchtfolge sind auf dem Betrieb sehr angenehm während der Ernte zu spüren. Gleichzeitig ist festzustellen, dass die Erträge ausgeglichener werden, was auch betriebswirtschaftliche Vorteile mit sich bringt. Mit den aktuellen Kulturen und Fruchtfolgen können die Risiken in der Agrar GbR Groß Kiesow insgesamt minimiert werden.
 
Auch auf den DLG-Feldtagen vom 12. bis 14. Juni 2018 in Bernburg (Sachsen-Anhalt) steht das Thema „Fruchtfolge“ im Fokus. Die Aussteller präsentieren auf dem Gelände des Internationalen DLG-Pflanzenbauzentrums unter dem Leitthema „Pflanzenbau 2030“ zukunftsweisende Entwicklungen bei Verfahren, Technologien und Betriebsmitteln, die eine nachhaltige Produktivitätssteigerung im Pflanzenbau ermöglichen.
 
Weitere Informationen: www.dlg-feldtage.de
 
 

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