Pflanzenzüchtung heute: Effizienzpotenziale und Herausforderungen
Die Pflanzenzüchtung ist eine zentrale Grundlage für eine leistungsfähige und nachhaltige Landwirtschaft. Strengere Vorgaben bei der Düngung sowie der Wegfall wichtiger Saatgutbeizen stellen die Branche jedoch vor neue Herausforderungen. Dadurch gewinnen Ertragssicherheit, Nährstoffeffizienz und eine hohe Saatgutqualität zunehmend an Bedeutung. Welche Lösungen moderne Sorten und neue Züchtungsansätze dafür bieten, zeigen die DLG-Feldtage 2026 praxisnah in Schauversuchen und im direkten Austausch mit Züchtungsunternehmen.
Die Entwicklung der vergangenen hundert Jahre zeigt, dass die Pflanzenzüchtung immer wieder erfolgreich auf neue Anforderungen der Landwirtschaft reagiert hat. Ertrag, Qualität und Krankheitsresistenz konnten durch sie kontinuierlich verbessert werden. Dabei ist es gelungen, Eigenschaften miteinander zu kombinieren, die früher häufig im Widerspruch standen, etwa hohe Erträge und gute Qualitätsparameter.
Trotz der bereits hohen Leistungsfähigkeit moderner Sorten schreitet die Züchtung weiter voran. Allerdings erfolgen Fortschritte heute oftmals in kleineren Schritten, da das Ausgangsniveau bereits sehr hoch ist. Dennoch bleiben Ertrag und insbesondere Ertragssicherheit zentrale Zuchtziele.
Produktivere und nachhaltigere Landwirtschaft
Die Pflanzenzüchtung steht vor der Aufgabe, Landwirtschaft produktiver und gleichzeitig nachhaltiger zu gestalten. Zwei Themen gewinnen dabei aktuell an Bedeutung: die Verbesserung der Nährstoffeffizienz und der Wegfall wichtiger Saatgutbeizen. Beide Entwicklungen betreffen unmittelbar die Ertragssicherheit, die Saatgutqualität und die Stabilität landwirtschaftlicher Produktionssysteme. Während einerseits ressourceneffiziente Sorten helfen sollen, unter den Bedingungen des Klimawandels und einer restriktiveren Düngepolitik stabile Erträge zu sichern, entsteht andererseits durch den Wegfall bewährter Beizwirkstoffe ein wachsender Druck auf Saatgutproduktion, Pflanzenbau und Züchtung.
Stickstoff effizienter nutzen
Neben Klimaresilienz rückt die Nährstoffeffizienz zunehmend in den Fokus der Pflanzenzüchtung. Vor allem die Stickstoffeffizienz spielt eine Schlüsselrolle, um Erträge auch unter schwierigen Bedingungen abzusichern und gleichzeitig negative Umweltauswirkungen zu reduzieren. Insbesondere die Nitratbelastung von Grund- und Oberflächengewässern soll verringert werden. Wie effizient Kulturpflanzen Nährstoffe nutzen, entscheidet maßgeblich darüber, wie nachhaltig und produktiv Landwirtschaft künftig sein kann.
Die Aufnahme von Nährstoffen erfolgt überwiegend über die Pflanzenwurzel. Deshalb gewinnen Wurzelwachstum, Wurzelarchitektur und die Wechselwirkungen mit Bodenstruktur und Mikroorganismen zunehmend an Bedeutung. Gerade unter den Bedingungen des Klimawandels mit schwankenden Niederschlägen und Temperaturen werden Eigenschaften wie die Plastizität der Wurzeln wichtiger. Pflanzenzüchter beobachten die wissenschaftlichen Erkenntnisse hierzu intensiv und setzen verstärkt auf Zuchtziele, die ein verbessertes Wurzelwachstum ermöglichen. Ziel ist eine effizientere Nährstoffaufnahme – auch unter schwierigen Standortbedingungen.
Züchtung auf verbesserte N-Effizienz
Forschungsprojekte wie das vom BMLEH geförderte Verbundprojekt SMARTROOT sollen die Züchtung zur Verbesserung der Stickstoffeffizienz beschleunigen, indem geeignete Wurzelmerkmale identifiziert werden. Bislang werden solche Eigenschaften in vielen Zuchtprogrammen noch kaum berücksichtigt. Gleichzeitig untersucht die Forschung unterschiedliche Genotypen von Weizen, Gerste und Raps hinsichtlich ihres Verhaltens bei Nährstoffmangel. Dabei werden sowohl morphologische und physiologische Eigenschaften als auch Auswirkungen auf den Ertrag und die Qualität analysiert.
Pflanzenzüchtung hat bereits in der Vergangenheit maßgeblich zur Ertragssteigerung beigetragen. Künftig rückt neben dem Ertrag zunehmend auch die Ertragssicherheit in den Mittelpunkt. Ziel sind Sorten, die auch bei schwankenden klimatischen Bedingungen stabile Leistungen erbringen und unterschiedliche Ertragskomponenten flexibel ausbilden können. Gleichzeitig gewinnt die natürliche Widerstandskraft gegen Krankheiten und Schaderreger weiter an Bedeutung. Pflanzen verfügen über eigene Abwehrmechanismen gegen Pilze, Schädlinge und andere Schaderreger. Die Züchtung nutzt diese Eigenschaften gezielt, um Sorten widerstandsfähiger zu machen und den Bedarf an chemischem Pflanzenschutz zu reduzieren.
Problemfall Fludioxonil
Vor diesem Hintergrund stellt der Wegfall wichtiger Saatgutbeizen eine zusätzliche Herausforderung dar. Besonders kritisch ist die Situation durch die auslaufende Zulassung des Wirkstoffs Fludioxonil, der im Herbst 2026 zum letzten Mal angewendet werden darf. Da Fludioxonil bislang die Basis vieler zugelassener Beizmittel bildete, wird sein Wegfall erhebliche Auswirkungen auf die Saatgutproduktion und den Wintergetreideanbau haben.
Fludioxonil war ein zentraler Bestandteil bewährter Beizen gegen samen- und bodenbürtige Pilzkrankheiten im Getreide. Ohne diese Beizen wird es künftig keinen ausreichenden Schutz gegen Flug- und Steinbrand geben. Gleichzeitig sind kurz- bis mittelfristig keine Neuzulassungen vergleichbarer Wirkstoffe zu erwarten. Dadurch könnten samenbürtige Krankheiten, die über viele Jahre durch Beizen wirksam kontrolliert wurden, wieder deutlich an Bedeutung gewinnen.
Gesamte Wertschöpfungskette betroffen
Die Folgen betreffen die gesamte Wertschöpfungskette. Krankheiten können zu Qualitätseinbußen und möglicherweise auch zu erhöhten Mykotoxinbelastungen führen. Damit gewinnen Saatgutgesundheit und Saatgutqualität wieder stärker an Bedeutung. Für die Saatgutproduktion könnten künftig zusätzliche Anforderungen entstehen. Parameter, die bislang nur eine untergeordnete Rolle spielten, könnten möglicherweise in Zukunft bei der Saatgutanerkennung wichtiger werden.
Auch für die Züchtung entstehen erhebliche Herausforderungen. Züchter weisen darauf hin, dass Infektionen mit Brandkrankheiten zu einem Verlust der Selektionsgüte und einem Mangel an Vorstufensaatgut führen können. Gleichzeitig müssten neue Hygienekonzepte entwickelt werden. Eine gezielte Züchtung auf resistente Sorten ist jedoch aufwendig, kostenintensiv und benötigt viele Jahre. Hinzu kommt, dass weiterhin zahlreiche weitere Zuchtziele wie Ertrag, Backqualität, Standfestigkeit und Blattgesundheit erfüllt werden müssen.
Alternative Verfahren wie die Elektronenbeize zeigen zwar gute Wirkungen gegen Erreger auf der Samenschale, stoßen jedoch bei Keimlingsinfektionen und bodenbürtigen Erregern an ihre Grenzen. Der Schutz des Keimlings kann dadurch nicht gesichert werden. Deshalb gewinnt geprüftes, hochwertiges Basissaatgut künftig weiter an Bedeutung.
Insgesamt zeigt sich: Der Wegfall von Fludioxonil bedeutet nicht nur eine Herausforderung für die Pflanzenzüchtung, sondern für den gesamten Ackerbau. Umso wichtiger werden widerstandsfähige Sorten, gesundes Saatgut und integrierte Strategien zur Sicherung stabiler und gesunder Pflanzenbestände.
Pflanzenzüchtung auf den DLG-Feldtagen 2026
Die Pflanzenzüchtung bleibt eine zentrale Zukunftstechnologie für Landwirtschaft und Ernährungssicherung. Sie verbindet Ertrag, Qualität, Krankheitsresistenz, Klimaresilienz und Ressourceneffizienz miteinander. Gerade angesichts des Klimawandels, strengerer Düngevorgaben, zunehmender Krankheitsrisiken und des Wegfalls wichtiger Saatgutbeizen steigt ihre Bedeutung weiter an.
Auf den DLG-Feldtagen 2026 wird deutlich, welche Antworten moderne Züchtung auf diese Entwicklungen bereits heute liefert. Besonders eindrucksvoll wird dies in den zahlreichen Schauversuchen sichtbar, in denen Züchtungsunternehmen die aktuellen Entwicklungen praxisnah erlebbar machen. Besucherinnen und Besucher erhalten dadurch einen unmittelbaren Einblick in die Fortschritte der modernen Pflanzenzüchtung. Gleichzeitig bieten die DLG-Feldtage ideale Möglichkeiten zum fachlichen Austausch mit Züchtern, Beratern und Händlern. Wer wissen möchte, welche Sorten und Züchtungsansätze den Pflanzenbau der Zukunft prägen werden, findet auf den DLG-Feldtagen 2026 eine einzigartige Plattform aus Praxis, Innovation und Diskussion.