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Der Veranstaltungsort 2022

Versuchsgut Kirschgartshausen / Mannheim (BW)

Forschen für die Praxis

Standort der DLG-Feldtage ist der Südzucker-Betrieb Kirschgartshausen bei Mannheim. Dieser ist Praxisbetrieb und Versuchsgut in einem. Im Fokus steht – wie könnte es anders sein – die Zukunft der Zuckerrübe.

„Verkehr gibt es dort kaum, Natur umso mehr. Es ist irgendwie eine kleine, andere Welt mit schönen, alten Anwesen, teils unbefestigten Straßen und vielen Einladungen zum Träumen.“ Das schrieb vor fast zehn Jahren die lokale Rhein-Neckar-Zeitung. Aber das Hofgut Kirschgartshausen, auf dem die DLG-Feldtage 2022 stattfinden, liegt nicht in den Weiten Vorpommerns, sondern in Baden-Württemberg nahe den Grenzen von Hessen und Rheinland-Pfalz. Dieser angeblich so abgelegene Ort ist eingeklemmt zwischen Mannheim-Sandhofen und Lampertheim auf der einen, dem Rhein und der A 44, die die Flächen von den Hofgebäuden trennt, auf der anderen. Was aber auch bedeutet: Man kommt aus allen Teilen Deutschlands sehr gut hin. Die „schönen alten Anwesen“, die dem Land Baden-Württemberg gehören, sind stark renovierungsbedürftig und haben erst vor ein paar Monaten in Gestalt einer Privatschule, die sich dort ansiedeln möchte, eine Perspektive bekommen. Die Flächen der ehemaligen badischen Staatsdomäne nutzt seit 1862 (!) die Südzucker als Pachtbetrieb. Deren Hauptverwaltung in Mannheim ist schnell zu erreichen, ebenso die Zuckerfabriken in Offenau und Offstein.

Ein „Sahnestandort“ sieht anders aus. Betriebsleiter Dr. Peter Risser muss mit stark wechselnden Böden und verschiedenen Bodentypen zurechtkommen. Trotz einer Spannweite von 40 bis 80 Bodenpunkten dominiert sandiger Lehm mit geringer Wasserkapazität, weshalb auch Teile der 300 ha großen Fläche beregnungsfähig sind. Mit 10°C Jahrestemperatur ist dies ein im Deutschlandvergleich warmer Standort. Die 600 mm Niederschlag pro Jahr klängen zunächst ganz gut, wären die Landwirte nicht mit einer regelmäßigen Frühjahrs- und Sommertrockenheit konfrontiert. Die oft geringe Wasserkapazität der Böden erfordert Beregnung. Südwestdeutschland gilt als „Labor für den Klimawandel“. Das äußert sich nicht nur in steigenden Temperaturen und mehr Trockenheit, sondern – als Folge davon – auch in einem zunehmenden Schädlingsdruck. Gerade in den Rüben ist das gesamte Repertoire zu finden: Von Nematoden über einen hohen Cercospora-Druck und seit einigen Jahren verstärktem SBR-Befall bis hin zu Blattläusen bzw. der von ihnen übertragenen virösen Vergilbung. 

Die „Strukturdaten“ des reinen Ackerbaubetriebes sind jedoch sehr gut. 300 arrondierte ha mit einer durchschnittlichen Schlaggröße von 20 ha sind in der Region, in der eher flächenkleinere Betriebe mit Intensivkulturen (Gemüsebau!) dominieren, nicht der Normalfall. Der Betrieb ist komplett eigenmechanisiert und wird im Verbund mit anderen Südzucker-Betrieben bewirtschaftet. Auf knapp der Hälfte der Anbauflächen steht Getreide (25% W-Roggen und 20% W-Gerste). Je 15% Raps und Sojabohnen (Saatgutvermehrung) und 10% Zuckerrüben ergeben eine abwechslungsreiche Fruchtfolge aus W-Roggen-Zwischenfrucht-Zuckerrüben-Soja-Wintergerste-Raps. In die Flächen bzw. Bewirtschaftung integriert sind 3% Blühstreifen. 12% der Betriebsfläche dienen der Biotop-Vernetzung rund um die Flächen.

Der gesamte Betrieb wird pfluglos bewirtschaftet und ist auch sonst auf Schlagkraft getrimmt: bis zu 8 m in der Bodenbearbeitung, 6 m bei der Aussaat von Getreide, Raps und Bohnen bzw. 18 Reihen bei den Zuckerrüben, 36 m als „Maß“ für Düngung und Pflanzenschutz sowie neunreihige Rübenernte. Außer natürlich Rüben kann er alle Früchte selbst lagern.

Kirschgartshausen versteht sich aber weniger als konventioneller Produktionsbetrieb, sondern eher als „Plattform für Versuche und Erfahrungsaustausch“. 45 ha weniger für die DLG-Feldtage in 2022 sind nicht nichts. Aber auch in „normalen Jahren“ sind vielfältige Exakt- und Großflächenversuche zur Zuckerrübe zu besichtigen. Eine enge Vernetzung mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Verbänden und Unternehmen ist dabei selbstverständlich. Ein paar Stichworte zu aktuellen Versuchsfragen:

  • Nematoden: Sorte, Vorfrucht, Zwischenfrucht, Fruchtfolge
  • Blattkrankheiten: Fungizide, Sorte, Diagnosesysteme
  • Unkrautbekämpfung: chemisch, mechanisch, kombiniert, autonom, elektrisch
  • Düngung: teilschlagbezogen/bedarfsgerecht
  • Digitalisierung: Prognosemodelle, Karten, Drohnen, neue Techniken, Prototypen, etc.
  • Biodiversität: Blühstreifen (auch mehrjährig), Biotopvernetzung, Einbindung in Bewirtschaftungskonzepte, Monitoring mit wissenschaftlicher Begleitung

Demonstrationsparzellen richten sich darüber hinaus an die landwirtschaftliche Praxis und ebenso an die nichtlandwirtschaftliche Öffentlichkeit. So demonstriert ein 2.500 m² großer Schaugarten eine Fruchtfolge, verschiedene ZR-Szenarien (mit Pflanzenschutz, ohne Pflanzenschutz, biologisch, ohne Düngung, ohne Unkrautbekämpfung etc.) sowie unterschiedliche Blühmischungen und Zwischenfrüchte.

Versuchsgut Kirschgartshausen

Lage

  • Stadtgebiet Mannheim
  • im Dreiländereck Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz

Betriebsflächen

  • bewirtschaftete Fläche: 317 ha in 14 Schlägen

Boden

  • Bodenart: sandiger Lehm (sL), L, SL
  • Bodentyp: Auengley, Auenpararendzina über Sediment
  • Bodenschätzung: zwischen 40 und 80 Punkte

Vorfrucht

  • Wintergerste

Klima

  • Mittlere Jahrestemperatur: ca. 10,0° C
  • Jährliche Niederschläge: 600 mm
Anschrift:

Südzucker AG
Der Hohe Weg zum Rhein 12
68307 Mannheim

Vorstellung Versuchsgut Kirschgartshausen